Überleben und Leben in der Jurte

Von , 1. März 2013 9:58 pm

… die Freiwilligen des Grashalmes lernen weiterhin Leben und Überleben in der Taiga. Bei Temperaturen, die sich zwischen 0 C und -30 C bewegen. In einer Zeit, in der der See zu Fuß, per Schneeschuh oder Jägerski überquert wird und sich ungeahnte Wettererscheinungen zeigen (Naled). In der die Natur keine oder nur sehr wenig Früchte zum Überleben bereit hält. In der ein paar Stunden in der Jurte ohne wohlige Ofenwärme zum Erhalt des Wohlbefindes heftige Bewegung oder dicke Daunen erfordern. In einer Zeit, in der dennoch die Verwaltung und Koordination des Vereinslebens fortgeführt werden, weil die Büroarbeit nicht wie die Bären Winterschlaf hält. Da muss auch schon mal eine Email aus der Jurte versandt werden oder eine Teamsitzung per Skype mit Laptop auf den Knien abgehalten. Strom und Internet in der Taiga? Wie ist das denn möglich?

Umfassende Überlegungen zu den notwendigen Installationen werden durchgeführt. Passgenaue Einkäufe in Deutschland und Russland werden getätigt. Transporte werden organisiert. In den vorletzten Ausläufern der Zivilisation in der Taiga werden auf einen Schlitten verladen: ein Tecknikkoffer mit Laptop, Minibeamer und umfangreichem Kabelzubehör, zwei Solarpaneele (Größe?), ein Akkumulator, eine Antenne, elektronisches Bauzubehör für die geplante Installation der Solaranlage. Des weiteren für die Versorgung der Bürogemeinschaft und kommender Gäste: ein 40l Kasan (Aluminiumtopf), diverse weitgehend frostfeste Nahrungsmittel wie Brot, Schokolade, Haferflocken, Honig, Butter, zwei Paar Jägerski (von Einheimischen selbstgefertigte Ski aus Erle mit einer Pelzbesatz auf der Fahrfläche), Isomatten, ein Kyterucksack, ein Boot für den Sommer … und wohl noch so allerlei weitere Kleinigkeiten. Kaum ist der solchermaßen bepackte Schlitten für eine Person allein zu bewältigen. Und dennoch, oh Wunder, schlägt sich unser Freiwilliger Georg dank der vielfältig geknüpften Kontakte und geschlossenen Freundschaften durch die Taiga zum Tiberkulsee durch.

Und einen Tag später beginnt das Hämmern, Spalten, Basteln. Für die Solaranlage wird ein Holzgestell gebaut, die Solarpaneele werden darauf befestigt, die Antenne wird an einem 8m hohen vorbereiteten Pflock befestigt, eine kleines Gestell zum Anbringen der Elektronik und Schaltzentrale innerhalb der Jurte wird gefertigt und bestückt. Am Ende die erste Generalprobe: Schalter umlegen…die Solaranlage lädt. Wenig später die zweite Generalprobe: hat das Laptop Empfang? Tatsächlich, erste Emails treffen ein. Nach ein, zwei Tagen stellen wir Zusammenhänge zwischen Surfqualität und Wetterlage fest: bei Sonnenschein herrscht auch empfangsmäßig eitel Sonnenschein, bei Schneesturm muss das Jurtenbüro vorerst geschlossen bleiben. Doch diese Feststellungen werden wohl wieder zu neuen Lösungen führen.

Eine Nachbarin – im kleinen Taigadorf leben derzeit 11 Menschen – bringt Kartoffeln, Marmelade, Eingemachtes und bewundert die neuen technischen Errungenschaften. Zurück in die Steinzeit? Nicht mit uns. Wir gehen den Weg der Integration und Inclusion. Das Nicht-Überleben wird immer schwieriger.

 

Antwort hinterlassen

Panorama Theme by Themocracy