“One World Change Café” – Damals und Heute – Ukraine im Wandel

Von , 28. November 2015 11:10 am

In unserem Projekt “One World Change Café” , welches im Oktober diesen Jahres in der Sächsischen Schweiz statt fand, trafen sich junge Menschen aus u.a. Ukraine, Russland, Polen und Deutschland, um gemeinsam über die Geschichte, die momentane Situation und die Zukunft der Ukraine und damit auch Europas zu diskutieren, reflektieren, komentieren und visionieren. Es trafen Ansichten, Erfahrungen, Unwissen und Ideen aufeinander und unter Zuhilfenahme professioneller gewaltfreier Komunikationsmittel entstand für alle Teilnehmer ein umfassendes, faszinierendes, zum Teil auch trauriges Bild unserer aller momentaner Situation. Nichts desto Trotz schienen die unsere Teilnehmer zuversichtlich und letztendlich hängt es von ihrer/unserer Generation ab, wie sich Europa in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Hier nun ein Blogkomentar eines deutschen Teamleiters; Justus, Teamer

 6.10.2015: Die Fishbowl

Nach dem gemeinsamen Frühstück in der geheizten Jurte entfernten wir die Feuerstelle aus der Mitte und legten Matten und Decken in die Mitte der Jurte, sodass wir neben dem Außenkreis mit Sitzbänken auch einen Innenkreis schufen, der für die nachfolgende Fishbowl und den Spiralcouncil genutzt werden konnte. Obwohl mir die Fishbowl- Methode vorher schon bekannt war, löste die Einführung von Horst in die Methode bei mir erhöhtes Interesse und ein Gefühl von Bedeutsamkeit aus. Ich hatte Lust wirklich etwas zu erfahren und nicht, wie ich es aus anderen Kontexten kenne auf einer flachen Ebene zu „diskutieren“. Ich und die ganze Gruppe hatten in den letzten Tagen bereits über ihre persönlichen Beziehungen zur Ukraine und die Geschichte ihres Landes und der Ukraine nachgedacht. Die Worte und Gedanken aus den Councils schienen „echter“ durch das intensive Zusammensein und Kennenlernen beim Klettern geworden zu sein. Vielleicht trug auch das dazu bei, dass ich ein Gefühl von Bedeutsamkeit hatte beim Start der Fishbowl: „Stellt Euch vor, Ihr seid mit politischer (und militärischer) Macht ausgestattet. Welche Schritte würdet Ihr unternehmen um die Entwicklung zu einer Zukunft voran zu bringen, mit der es Euren Kindern gut geht?“. Diejenigen, die länger als ein Jahr in der Ukraine leben, saßen im Innenkreis und begannen den Council. Für mich sehr überraschend und fremd, sagte einer der ersten ukrainischen Teilnehmer seine Schritte wären Krieg mit allen Feinden der Ukraine zu führen und sie alle in die Flucht zu jagen. Ich konnte nicht fassen, was ich hörte, und ich bin mir sicher vielen anderen ging es ähnlich- und doch wurden die Regeln des Councils gewahrt, bei dem gehört wird, was der andere sagt und man erst anschließend, sich nicht auf den anderen beziehend, von sich spricht. Es fiehl ihm also niemand ins Wort, es gab keinen Wortabtausch, Ärger oder Bedrängnis der Selbstachtung des Sprechers gegenüber der Ablehnung der anderen, sondern sein Beitrag wurde gehört und der Redestab ging weiter. Es folgten sehr ausführliche Erörterungen und auch die „internationale Staatengemeinschaft“ im Außenkreis wurde gehört. Kam es durch die vielfältigen und bis-zu-Ende-ausgesprochenen Beiträge der Teilnehmenden zu einer ersichtlich werdenden „höheren“ Erkenntnis. Bei mir ja und ich glaube bei manchen anderen auch. Nach der sehr langen Fishbowl war der Gruppenkonsens (samt des Ukrainers, der vorher für Krieg plädierte) eine Stärkung der Zivilgesellschaft und Bekenntnisse zum Engagement durch Jugendarbeit.

9.Oktober: Kultureller Abend

Aus Justus Tagebuch:

Donnerstag, Scheune auf der Kulm, Rathener Gebiet:

Gerade war ich in der Jurte, waren wir alle in der Jurte und haben einen sehr schönene Abend verbracht. (…) Was ich eben notieresnwert fand war – dieses ausgelassene, lebensreife Gefühl mit Glück, Offenheit, Freiheit, Schönheit, das ich in den ukrainischen Kreistänzen sah und beim gemeinsamen ukainische Lieder singen. Wie Dolina freudig selbstverständlich aus vollem Hals sang und tanzte –so viel Spaß vom Akkordeon begleitet und angestiftet. So ein Schatz diese Kultur so zusammenzukommen und Spaß zu haben (…) Viele Menschen können sich bestimmt gar nicht vorstellen, wie sich eine andere kultuelle Praktik anfühlt. Toll hier einen Mini Einblick zu bekommen.

Antwort hinterlassen

Panorama Theme by Themocracy