Die Jurte: Heimat für Nomaden

Von , 10. November 2012 5:41 pm

Schon länger beschäftigt uns bei Grüner Grashalm e.V. die Frage: wie können die Ungebundenheit eines Nomadenlebens und die Geborgenheit, die Heimat und ein Heim geben können, miteinander in Einklang gebracht werden. Beide Pole sind es, zwischen denen sich der Grashalm seit Jahren bewegt. In der herrlichen Natur Deutschlands, Europas und der Welt findet sich eine Vielzahl von Orten, an denen der Grashalm mit Menschen allen Alters immer neu das Abenteuer sucht und findet, einerseits. Dort sind die Grashalme Nomaden, mal mit, mal ohne Dach über dem Kopf. Am Vereinssitz und Hauptstandort im heimatlichen Fahren dagegen befinden sich die ständige Vertretung mit Büro, Ausrüstungen, tollen Räumlichkeiten und der oft genutzten Möglichkeit für Treffen aller Art in vertrauter Umgebung, andererseits. In der Jurtenmanufaktur

Nun sind diese beiden Pole nach Jahren der Begegnung in eine neue Beziehung getreten – das Nomadenleben hat ein eigenes Dach über dem Kopf. Vielleicht pegelt sich damit ein gelegentliches Ruhen in der Mitte ein? An Orten, die wechseln dürfen? Seit vergangenem Sommer befindet sich ein originales mongolisches Haus, „Ger“ in der Landessprache, in unserem Besitz. Menschen des Grashalms haben es mit Hilfe mongolischer Freunde in Ulan Bator direkt beim Hersteller gekauft und auf abenteuerliche Weise in all seinen Einzelteilen (650kg) mit der transmongolischen Eisenbahn bis Krasnojarsk transportiert. Grenzübertritt, Zollpapiere, russische Behörden – alle Hürden konnten mit der Hilfe weiterer Freunde und mit Vertrauen in den „Weg der Jurte“ genommen werden. Die letzten Kilometer legte das mongolische Haus, die Jurte, mit Transporter, Panzer und Katamaran zurück. Und hat seinen momentanen Standort an einem herrlichen See mitten in den Weiten Sibiriens, dem Tiberkulsee. Eine bunt zusammengewürfelt Gruppe lebenslustiger Menschen baute es anhand weniger Fotos vom Innenleben einer errichteten Jurte in tagelanger Tüftelei im Juli/August 2012 auf. Die Nomaden des Grashalms stellten fest, dass dies kein Kinderspiel ist. Zumindest nicht beim ersten Mal, wie bei  vielen Dingen, die nie zuvor geübt wurden. Wohl eher ein Abenteuer. Womit wir immer noch oder schon wieder beim Thema sind.

Noch einen weiteren Aspekt und ebenfalls bereits seit längerem Wunsch von uns erfüllt das Leben in der Jurte und in der Natur: die Beschäftigung und das Erlernen von alten und neuen handwerklichen Techniken. Im vergangenen Sommer wurde nach dem Errichten der Jurte eine erste Fußbodenausführung für diese gezimmert, Stühle, Tische und ein Königsthron wurden gebaut, nach Vorlage eines Buches von … wurde ein einfacher Räucherofen gebaut, in dem die im See geangelten Fische geräuchert wurden, Brot wurde gebacken mit selbstgemahlenem Korn und selbst angesetztem Sauerteig u.v.m. Erste Schritte. Erstes Ausprobieren. Menschen aus der Region kommen, sind interessiert, schauen, helfen, geben Erfahrungen weiter. Wer von uns kennt bisher schon die Früchte und Kräuter der Taiga, aus denen man auf die Schnelle eine köstliche Suppe zaubern kann? Wir lernen weiter. Und planen im kommenden Jahr, Jurten selbst zu bauen.

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